Den Entstehungsprozess ihrer Arbeiten beschreiben die beiden Künstlerinnen als Akt der Kommunikation und des Austausches, bei dem unterschiedliche künstlerische Ansätze und Techniken in einem Werk vereint werden. Auf diese Weise entwickelte das Duo einen eigenen, unverkennbaren Stil.
Landschaften und Orte bilden den Ausgangspunkt vielschichtiger künstlerischer Collagen: Von Julia Dorninger gezeichnete Figuren treten in die offenen Bildräume ein, die zuvor von Monika Dorninger in Aquarell und Tusche angelegt wurden. So entsteht ein Dialog zwischen Mensch und Raum, zwischen zwei Generationen und zwei künstlerischen Handschriften. In den gemeinsamen Bildern verbinden sich die den Landschaften inhärenten Atmosphären mit gesellschaftlichen Themen und verdichten sich zu neuen Bildgeschichten.

Biografie Monika Dorninger
Monika Dorninger / www.monika-dorninger.at / geb. 1946, lebt und arbeitet in Wien und Bad Leonfelden.
Studium der Pharmazie an der Universität Wien, künstlerische Weiterbildung an der Kunst VHS Wien, zahlreiche Kurse und Malreisen, u.a. in Wien, Salzburg, Venedig, München, Hamburg, im Piemont und in der Toskana.
Messebeteiligungen und Ausstellungen im In- und Ausland, u.a. Künstlerhaus Wien I Galerie Schloss Puchheim, OÖ I Kunstmesse Salzburg I Art Innsbruck I Kulturzentrum Englische Kirche der Stadt Homburg, D I Pavillon Joséphine, Straßburg, FR I Ausstellungskirche St. Peter an der Sperr, NÖ I Haus der Kunst Baden, NÖ.
Monika Dorningers Arbeiten sind Teil der Sammlung der Stadt Attnang -Puchheim, OÖ (Ankauf 2018) und einiger Privatsammlungen im In- und Ausland.
Artist Statement
„Seit über vier Jahrzehnten widme ich mich der künstlerischen Arbeit, die ihren Ursprung in der Auseinandersetzung mit Aquarell und Zeichnung hat. Besonders die Arbeit mit Rohrfeder und Tusche prägt bis heute meinen Zugang: eine unmittelbare, freie und spontane Ausdrucksweise, die Raum für Intuition und Bewegung lässt.
Im Laufe der Zeit erweiterte sich mein Spektrum auf die Malerei auf Leinwand, vor allem mit Acrylfarben in vielschichtigen Prozessen. Schicht für Schicht entstehen Arbeiten, in denen sich Spuren von Zeit, Überlagerung und Veränderung verdichten. Collageelemente ergänzen diesen Prozess und verleihen den Werken eine zusätzliche Ausdruckskraft sowie eine inhaltliche und materielle Tiefe.
Ein zentraler Bestandteil meiner künstlerischen Praxis ist das Arbeiten vor Ort. Die direkte Begegnung mit der Umgebung, ihrer Atmosphäre, ihrer Struktur, ihrer Stimmung wird zum Ausgangspunkt meiner Arbeit. Meine Bilder sind keine bloßen Abbilder, sondern Verdichtungen von Erfahrungen: Sie reagieren auf das Erlebte, transformieren es und machen es in meiner eigenen Bildsprache sichtbar. So entstehen Werke, die zwischen Spontanität und Reflexion, zwischen unmittelbarem Eindruck und vielschichtiger Überarbeitung oszillieren.“
Biografie Julia Dorninger
Julia Dorninger / www.juliadorninger.com / geb. 1973, lebt und arbeitet in Wien und Bad Leonfelden (OÖ).
Studium der Architektur an der TU Wien und an der ENSAPLV Paris (Diplom 2001), Zeichnerische Studien an der Akademie der bildenden Künste Wien und an der ENSBA Paris (1997-2001), Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg (1999 und 2000, Stipendium).
Messebeteiligungen und Ausstellungen im In- und Ausland, u.a. Künstlerhaus, Wien I Galerie Hollar, Prag, CZ I museumkrems, NÖ I Kunstforum Montafon, Vbg I MAERZ Galerie, Linz I Galerie Schloss Puchheim, OÖ I Stadtgalerie raumimpuls, NÖ I Musée du quai Branly, Paris, FR I 21er Haus, Wien I Galerie in der Freihausgasse, K I Leopoldmuseum, Wien I Espace des arts, Paris, FR I Städtische Galerie zur Baliere, Frauenfeld, CH
Julia Dorningers Arbeiten wurden für den Erich Grabner Preis für künstlerische Grafik (2024) und den Schiele Award (2022) nominiert. Zudem ist sie Finalistin des Superscape, Innovationspreis für visionäre Architekturprojekte (2018) und des Christian Doppler Kunstpreises (2017), weiters Preisträgerin internationaler Architektur- und Kunstwettbewerbe. Ihre Arbeiten sind Teil der Sammlung der Stadt Attnang -Puchheim, OÖ (Ankauf 2022) und der Fotosammlung des Bundes (Ankauf 2018).
Artist Statement
„In meiner künstlerischen Praxis beschäftige ich mich mit Orten, Landschaften und Archiven, in denen sich Krieg und Ausgrenzung eingeschrieben haben und untersuche die resonanten Beziehungen zwischen Körper, Landschaft, Geschichte und Erinnerung. Im Zentrum stehen das Aufspüren, Befragen und Sichtbarmachen unsichtbarer Topografien der Gewalt im Kontext von Trauma und Verdrängung. Mein Interesse gilt dabei vor allem dem Verschobenen, Fragmenthaften und Fehlenden.
In meinen künstlerischen Prozessen verknüpfe ich performative, körperlich-situierte Erfahrung mit archivarischer und historischer Recherche, um die Spannung zwischen Faktizität und subjektiver Wahrnehmung produktiv zu machen. Dabei stütze ich mich auf den Begriff des situierten Wissens von Donna Haraway, der betont, dass Wissen stets an spezifische Kontexte, Körper und Perspektiven gebunden ist und niemals universell oder abschließend sein kann. Orte, Landschaften, Archive werden so zu prozesshaften, situierten Konstruktionen, die in ihrer Brüchigkeit produktiv befragt werden können. Ein wesentlicher Aspekt ist hierbei die Erforschung von Ambiguität in der individuellen und kollektiven Erinnerung.
Das dynamische Spannungsverhältnis zwischen Faktizität und subjektivem Erleben findet seine Entsprechung in der Wahl meiner künstlerischen Medien: Der fließende Pinselduktus des Aquarells und der Tusche führt zu einer bewussten poetischen Brechung des Faktischen. Diese ephemeren Momente spiegeln sich auch in den fragilen Setzungen meiner Installationen wider.
Das gemeinsame künstlerische Schaffen mit meiner Mutter hat meine Entwicklung und in weiterer Folge mein gesamtes Werk tiefgreifend geprägt. Meine Mutter lehrte mich Spontanität, Leichtigkeit und den Mut, festgelegte Konzepte zugunsten des Prozesses wieder zu verwerfen.“
Foto: Galerie im OÖ Kulturquartier